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Berliner Charité veröffentlicht Bericht zur Behandlung von Alexei Nawalny

Ärzte der Berliner Charité haben einen medizinischen Bericht zur Behandlung von Alexei Nawalny während seines Klinikaufenthalts in der Fachzeitschrift The Lancet veröffentlicht. Laut Pressedienst der Charité erschien der Artikel mit Einverständnis des Patienten.
Berliner Charité veröffentlicht Bericht zur Behandlung von Alexei NawalnyQuelle: www.globallookpress.com © Christophe Gateau

Laut dem Bericht, in dem Nawalny nicht beim Namen genannt wird, lag der 44-Jährige zum Zeitpunkt seiner Einweisung in das Omsker Notfallkrankenhaus Nr. 1 am 20. August im Koma. Dem Patienten wurden vermehrter Speichelfluss und Schwitzen, Atemversagen, Muskelkrämpfe, Kohlenhydratstoffwechsel- und Elektrolytstörung sowie metabolische Enzephalopathien bescheinigt. Die therapeutischen Maßnahmen, die die russischen Mediziner in den ersten Stunden nach dem Auftreten der Symptome ergriffen hatten, umfassten Intubation, künstliche Beatmung, die Verabreichung nicht näher spezifizierter Medikamente zur Symptomkontrolle sowie neuroprotektive Maßnahmen wie etwa die Zufuhr des Gegengiftes Atropin. Laut Auffassung der Charité-Ärzte sollen diese medizinischen Eingriffe eine Schlüsselrolle bei der Rettung des Lebens des Oppositionspolitikers gespielt haben.

Dem Bericht nach erhielt der erste deutsche Arzt rund 31 Stunden nach dem Auftreten der Symptome Zugang zum Patienten. Nach seiner Verlegung nach Berlin am 22. August soll sich sein Herzschlag massiv verlangsamt haben und seine Körpertemperatur auf 34,4 und zeitweise auf 33,5 Grad Celsius gesunken sein. Die Ärzte der Klinik verwiesen darauf, dass sie Nawalny unmittelbar nach seiner Ankunft auf der Intensivstation der Charité Blut- und Urinproben abgenommen hätten. In den darauffolgenden Tagen soll der Patient weiterhin mit Atropin und einem weiteren Antidot Obidoximchlorid behandelt worden sein. Die späteren klinischen Befunde ließen der Charité zufolge auf eine Intoxikation durch eine Substanz aus der Wirkstoffgruppe der Cholinesterase-Hemmer schlussfolgern.

Später soll ein Bundeswehrlabor bei einer toxikologischen Untersuchung einen verbotenen Nervenkampfstoff der Nowitschok-Gruppe in Nawalnys Proben nachgewiesen haben. Dieses Ergebnis hätten daraufhin drei weitere Labors in Frankreich, in Schweden und bei der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) bestätigt. Dabei konnten die deutschen Experten keine klaren Erklärungen für eine Reihe der aufgetretenen Symptome abgeben, darunter auch die "ausgeprägte zeitweilige Hypalbuminämie".

Am fünften Tag seines Klinikaufenthaltes habe Nawalny Fieber bekommen, stoßweise Muskelkrämpfe sollen sich in den weiteren 15 Tagen der Behandlung fortgesetzt haben, heißt es ferner im Bericht. Ab dem 12. Tag konnte der Patient demnach selbstständig atmen und am 24. Tag vom Beatmungsgerät entwöhnt werden. Die ursprüngliche Bewusstseinsstörung Nawalnys konnte laut den deutschen Ärzten schrittweise überwunden werden. Bei der letzten medizinischen Untersuchung am 55. Tag nach Behandlungsbeginn in der Charité sollen die Mitarbeiter des Krankenhauses eine beinahe komplette Erholung des Patienten festgestellt haben, die wahrscheinlich auch durch Nawalnys gute gesundheitliche Verfassung vor dem Vorfall begünstigt worden sei. 

Nach den schwerwiegenden Anschuldigungen gegen Moskau, einen Nowitschok-Anschlag auf den russischen Oppositionsführer verübt zu haben, wurde von deutscher Seite nach wie vor kein Beweismaterial vorgelegt, das die Befunde der Speziallabors verifizieren könnte. Der Kreml wies eine Verwicklung in den Fall wiederholt zurück und betonte, dass Russland alle Chemiewaffenbestände unter Aufsicht der OPCW vernichtet habe. Präsident Wladimir Putin betonte, er habe die russischen Staatsanwälte persönlich gebeten, Nawalnys Ausreise nach Deutschland zu erlauben.

Der Fall hat die Beziehungen zwischen Berlin und Moskau erheblich belastet. Nawalny hält sich zu einer Reha-Maßnahme noch immer in Deutschland auf. Er will nach seiner Genesung wieder nach Russland zurückkehren.

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